Segelkurs 2013 in Berlin

Viel Segelei am TEGELER SEE
Segelkurs 2013 in Berlin vom 18.06.-26.06.2013

von Leo Steinkampf-Sommer

 

Am Dienstag, den 18. Juni kamen alle „Nicht-Berliner“ zwei Stunden durch Stau verzögert am Bootshaus am Tegeler See an. Durch das spätere Ankommen wurde die Begrüßungsrunde verschoben und stattdessen nur ein kleines Spiel am Steg gespielt. Die Zimmer wurden nach dem Abendessen bezogen. Dieses Mal gab es nur ein Mädchenzimmer und drei Jungenzimmer, die grob nach Alter aufgeteilt waren. Natürlich wurden auch diesmal die Handys zur zeitlichen Nutzungsbeschränkung auf eine Stunde pro Tag eingesammelt, was nicht allseits auf Entzücken stieß.

Nach dem Frühstück am Mittwoch stellte sich jeder allen anderen vor. Anschließend am Vormittag ging es in der Sonne am Steg daran, zu üben bzw. zu erlernen, wie die einzelnen Boote aufzubauen sind. Einerseits wurde es für alle Sehbehinderten an einem größeren Segelboot gezeigt und dazu erklärt. Andererseits wurde das Gleiche an einer „Flying Bee“, einer Zweimannjolle, mit Unterstützung spezieller Braille-Beschriftungen für die drei Vollblinden erläutert. Am Nachmittag durfte das Geübte sofort praktisch eingesetzt werden, denn das erste Segeln fand statt.

Am Morgen des Donnerstags war jeder gespannt auf die Einteilung der Boote und mit wem er denn zusammen die Wellen durchpflügen würde. Ich landete in einem "Partner", auf dem, wie der Name schon sagt, zwei Platz haben. Hier ist also Vertrauen gefragt.

Am Nachmittag war ursprünglich eine Drachenboottour geplant gewesen, doch was fürs Segeln optimal ist, stellt sich beim Drachenbootfahren als Ausschlusskriterium dar: Der starke Wind. Also ging es wahlweise in die Borsig-Hallen zum shoppen oder nochmal zum Segeln auf dem See. Ich genoss den warmen Wind auf einem "Optimisten". Die Tatsache, dass ein Segellehrer immer in unmittelbarer Entfernung im Motorboot neben mir fuhr, gab Sicherheit, beeinträchtigte allerdings nicht im Geringsten das tolle Gefühl, mit Wind und Wasser im Einklang zu sein. Ich glitt also frei über die Gischt, versuchte das Boot voll im Wind und auf dem Kurs zu halten, bis mir wieder rechtzeitig seitens des Motorboots gesagt wurde, wenn es Zeit für eine Wende war. Als ich gerade sicher in den Manövern, auch bei stärkerem Wind, geworden war, kam plötzlich mitten in der Wende eine Böe auf, die dem Opti mit mir einen Stoß versetzte, sodass ich beinahe im Boot stand. Doch im letzten Augenblick ließ ich das Segel los, der Wind hatte schlagartig keine Angriffsfläche mehr. Von nun an ließ der Wind nicht nach, sondern verstärkte sich eher. Aber als die Kontrolle über das Boot wieder in meinen Händen lag, machte es wirklich Spaß, alleine über den See zu jagen. Bald schon zog sich der Himmel zu, es wurde kühler und ungemütlich, zum Abbauen wollte ich zum Kutter, doch dieser war beschäftigt mit dem Aufstellen von gekenterten "Toppern". Das sind schnelle Einmann-Jollen, die schwierig zu steuern sind.

Am Vormittag des Freitags war das Wasser wieder unter uns und die Segel blähten sich auf.
Fürs Nachmittagsprogramm galt es eine Entscheidung zu treffen, ob man lieber in Tegel bleiben wollte oder nach Berlin-Mitte zum Besichtigen von Sehenswürdigkeiten. Hauptsächlich waren es nicht aus Berlin stammende Jugendliche,
die mit S- und U-Bahn in die Innenstadt fahren wollten. Nachdem wir am Brandenburger Tor entlang gegangen waren, besichtigten wir den Reichstag mit der krönenden Glaskuppel, in der es viele informative Details per Audioguide gab. Anschließend besuchten wir ein nahe gelegenes neues Denkmal der „Sinti und Roma“, die im 2. Weltkrieg ermordet wurden. Die Geigenmusik vor Ort wurde leider von einem harten Rockkonzert nebenan übertönt. Passend zum heißen Wetter aßen wir gemeinsam noch ein Eis und fuhren dann wieder zurück.

Am Wochenende segelten wir auch wieder bei tollem Wetter. Auf den größeren Booten sammelte ich wieder ganz andere Eindrücke. Abends waren alle zum Erfrischen direkt am Steg, oft mit großen Schwimminseln und aufblasbaren Rutschen, baden. Diese Inseln waren auch eingebunden in ein Spiel, indem die Hälfte jeder der zwei Gruppen, die jeweilige Insel schwimmend vorwärtstrieb. Der andere Teil löste Rätsel auf der Insel. Die Zettel mit den Lösungen wurden am Ziel, dem Kutter, abgegeben. Je nach gelösten Aufgaben bekamen wir Wasserbomben und auf dem Rückweg mussten wir vorgegebene Knoten machen. Wieder am Steg angekommen, bekamen wir nach dem gleichen Schema wieder Wasserbomben. Die Teams mussten ihre gewonnenen Wasserbomben auf ein Handtuch legen und dann über eine Schnur auf die gegnerische Spielfeldseite schleudern. Die Gegner sollten sie mit ihrem Handtuch auffangen und möglichst zurückschleudern. Wenn das Geschoss auf dem Boden zerplatzte, gab es einen Punkt für die Mannschaft, die geworfen hatte. Manchmal platzten die gefüllten bunten Ballone allerdings gar nicht auf dem Boden, sondern kullerten einfach weiter.
Einen Abend beschlossen wir grillend nah am Wasser.

Der Montag war ein erlebnisreicher Tag. Vormittags segelten wir wie immer auf dem See. Wieder war es warm und sonnig und jeder musste seine beschriftete Sicherheitsweste tragen. Der große Unterschied war allerdings, dass jeder sich ein Boot samt Besatzung wünschen durfte. Zuerst war in der Malche, der Bucht am Bootshaus in der wir viel gesegelt sind, Flaute, doch wir hatten trotzdem Schräglage, da wir uns alle auf eine Seite setzten. Später, weiter draußen auf dem See ließ der Wind sich wieder nutzen. Dadurch hat es doch noch richtig Spaß gemacht. Nach einem guten Mittagessen machten wir uns startklar zu einem Höhepunkt im wörtlichen Sinne: Wir fuhren zum Kletterpark im Wald, der uns letztes Jahr schon Spaß bereitet hatte. Etwa 3 Stunden waren wir oft mit „in der Luft hängen“ und „Seile finden“ beschäftigt. Auch einige Seilbahnen, eingebaut in die einzelnen Routen, gaben uns die Möglichkeit rasant durch die Luft zu fliegen. Dieses Mal trauten sich noch mehr Kletterer von uns in luftige 15-17 Meter über dem Waldboden. Auf den schwindelerregenden Touren, wie auch auf den bodennäheren, fand man abwechslungsreiche Elemente, wie hängende Seilschlingen oder Holzkreuze, die zwischen dem unteren Lauf- und dem oberen „Einhakseil“ gespannt waren. An diesen musste man vorbeiklettern. Anderswo stieg man über V-förmig aufgestellte, hüfthohe Hölzer oder quer zwischen Stahlseilen befestigte Holzstangen. Ich denke, der Kletterpark hat allen Spaß gemacht, egal mit welchen Sinnen man die baumelnden Hindernisse wahrnahm. Das Abendessen fand in Form eines Picknicks in der Nähe auf einer großen Wiese statt.

Da am Dienstag das perfekte Abreisewetter schon einen Tag zu früh vom Himmel kam, sprich: der Tag als einziger quasi komplett verregnet war, konnten wir nicht segeln. Die Boote mussten allerdings trotzdem herausgezogen werden, wie es auch immer bei den alle zwei Wochen stattfindenden Segelterminen für die Berliner gemacht wird. Diese Aufgabe übernahmen netterweise die Segellehrer.
Also nutzten alle anderen den Vormittag zum "Zwangs-shoppen" in den Borsig-Hallen aus.
Den Nachmittag haben wir nach einem etwas längeren Fußmarsch und der S-Bahn-Fahrt kulturell im Museum für Verkehr und Technik verbracht. Dort sahen wir uns beispielsweise unterschiedlichste alte Eisenbahnen an und verteilten uns anschließend in kleineren Grüppchen auf Abteilungen, wie Luftfahrt, Schienenverkehr, Fototechnik oder Schifffahrt. Eine Tafel mit bebilderten Erklärungen zum Knoten üben gab es hier und einen alten Holzoptimisten, wie wir sie auch gebrauchten. Besonders anschaulich war für mich ein bewegliches kleines Segelboot auf einer Schiene in einem großen Ring, neben dem ein Gebläse zur Windnachahmung stand, damit man verschiedene Segelstellungen perfekt nachstellen konnte.

Gott sei Dank war es, den Abreisetag ausgenommen, der einzige Regen tagsüber.

Am Abend spielten wir erst gemütlich alle gemeinsam ein Spiel im Speisesaal, während der Regen draußen prasselte, und danach gab jeder seinen Beitrag zur Abschlussrunde. Anschließend wurde das 20-jährige Jubiläum von Monika gefeiert und mit vielen Worten beglückwünscht und Geschichten aus ihrer Zeit beim BFS wurden sowohl seitens der Schüler als auch der Lehrer erzählt.

Es regnete wieder in Strömen am Mittwoch, dem letzten Tag. Was allerdings nicht sonderlich störend war, denn draußen hatten wir sowieso nichts mehr vor und das Wetter erleichterte uns den Abschied. Also schmierten die, die noch eine lange Fahrt durch halb Deutschland vor sich hatten, Brötchen.

An den Abenden haben wir öfter erzählt oder Spiele gespielt. Wie beispielsweise Maumau mit einem extragroßen Skatspiel mit einem Format von ca. 20x10cm oder auch mit Karten mit Blindenschrift. Außerdem stehen 40cm lange Riesen-Mikadostäbe oder ein Riesen-Mensch-ärger-dich-nicht-Spiel zur Verfügung.

An einem Abend sahen wir auch dem heftigen Sommergewitter über Tegel staunend zu. Mit seinen grellen Blitzen und einem so starken Wind, dass nicht ganz eingerollte Focksegel von am Steg liegenden Booten nur so in der Nacht knatterten, war es ein wahres Naturschauspiel.

Die Segelwoche hat mir, wie im letzten Jahr, gut gefallen.
Herzlichen Dank allen Mitwirkenden.

Leo Steinkampf-Sommer