Segelkurs 2008 in Berlin

Segeln, Segeln, Segeln …
(Segelkurs 2008 in Berlin vom 16.07.-24.07.2008)

von Jörg Bergmann

Dank der von Robert Heuser organisierten Förderung nach dem Bundesjugendplan des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend kann auch 2008 wieder ein Segelkurs für sehbehinderte und blinde Kinder und Jugendliche in Berlin stattfinden. Vom Landesverband Berlin-Brandenburg wurde wieder vieles vorbereitet, so dass am ersten Berliner Ferientag nachmittags die 6 Berliner und abends auch die 13 Auswärtigen im Schülerbootshaus Tegel eintreffen. Die Mischung in den Zimmern und die Vorstellungsrunde sorgen schnell für das notwendige Gruppengefühl.

Am ersten Tag des Segelkurses wird den neuen und alten Teilnehmern zunächst eine praktische Unterweisung zu Teil. Andrea, Benjamin und Johannes erklären den jungen Seglerinnen und Seglern wie ein Boot segelklar gemacht wird, warum alle Rettungswesten tragen müssen und welche Knoten der Segler beherrschen sollte. Bei Sonnenschein werden dann alle anderen Boote aufgebaut. Hier können die Teilnehmer gleich das Erlernte praktisch umsetzen. Nach dem Mittagessen teilen die Betreuer die Besatzungen auf den Booten ein und bei schwachen bis mäßigen Winden, jedoch mit einigen Schauerböen, geht es aufs Wasser. Nicole und Fabian wird dann auch gleich eine Schauerbö zum Verhängnis. Einmal nicht aufgepasst und schon liegen sie im Wasser. Insgesamt kommen aber alle mit dem Wind gut zurecht.

Der zweite Tag beginnt mit Regen. Da wir auch dieses Jahr mit Betreuern sehr gut ausgestattet sind – regelmäßig sind 12 SegellehrerInnen vor Ort – seilen sich die Alten vormittags erst einmal ab und überlassen der neuen Generation das Feld. Das Wetter klart dann doch noch auf und die Gruppe geht segeln. Guter Wind und kein Regen, alle sind zufrieden. Nach dem Essen melden sich doch tatsächlich alle Teilnehmer zum freiwilligen Segeln. Die wärmende Sonne und guter Wind lassen uns die Zeit vergessen. Wir müssen uns von der romantischen Abendsonne dann doch um 19:30 Uhr trennen, sonst gibt es kein Abendessen.

Nach dem Frühstück des dritten Tages wird schnell die Bootseinteilung vorgenommen und die Boote zu Wasser gelassen. Draußen erwartet uns ein schöner Südostwind mit 3-4 Bft. und Sonnenschein. Die Teilnehmer haben nach den ersten Segeltagen genug Kenntnisse, um bei diesem Wind ohne Probleme viel Spaß zu haben. Lediglich Jan-Philip und Elisabeth kentern mit ihrer Flying-Bee – Baumniederholer lose, Elisabeth in Lee, kleine Bö und platsch liegen se drin. Gegen Mittag kommen Wolken und Regen. Der Wind legt auf 4-5 Bft. zu. Völlig begeistert und erschöpft fahren wir nach 3 Stunden Segeln in den Hafen zurück. Aus den Teilnehmern sprudelt die Begeisterung nur so heraus. Es war ein perfekter Segeltag. Sowohl Teilnehmer, als auch Betreuer haben super zusammengearbeitet. Eine kleine Gruppe findet sich nach dem Essen noch einmal zum Segeln in der Malche ein. Bei Sonne und 3-4 Bft. ahnt niemand böses. Eine pechschwarze Wolkenwand zwingt uns dann aber schnellstens alle Segler und Boote an Land zu bringen. Kaum haben wir alle Boote vertäut, fällt ein gewaltiger Schauer mit starken Böen über uns her. Wir sind stolz, alles im Griff zu haben und schauen dem Spektakel gelassen zu.

Der Ausflugstag ist dieses mal der vierte Tag, der Sonntag. Es wird früh aufgestanden und zum Oceaneum nach Strahlsund gefahren. Gerade vor ein paar Tagen von der Bundeskanzlerin eröffnet, versprach es viele interessante Dinge. Was wir nicht wussten, die Hälfte war noch nicht fertig gestellt. Fazit: Noch nicht lohnenswert. Für Behinderte ungeeignet, da nur ein Fahrstuhl, aber viele Treppen; für Sehbehinderte und Blinde ungeeignet, da zu dunkel und keine Erläuterungen und Beschriftungen für Nichtsehende.

Der fünfte Tag bringt zunächst einen Temperatureinbruch. Tageshöchstwerte um 15 Grad, Wind in Böen bis 5 Bft. Wir fahren alle mit der Ran raus, einem großen offenen Zweimaster. Alle hatten viel Spaß dabei. Auch nachmittags finden sich noch einige Geübte zum Segeln ein. Die Kenntnisse reichen schon aus, um ohne Probleme auch bei stärkeren Winden zu segeln. Den Abend nutzen die Betreuer, um über die künftige Gestaltung des Segelkurses und die Möglichkeit, weitere Teilnehmer aus anderen Bundesländern zu gewinnen, zu diskutieren. Wir hoffen, auch bei den Betreuern ein Bewusstsein geweckt zu haben, dass für den Erhalt des Segelkurses und des Berliner Segelprojekts noch einiges mehr getan werden muss.

Kühl und mit wenig Wind beginnt der sechste Tag. Zum Segeln reicht es gerade so und alle schippern gemütlich vor der Greenwichpromenade hin und her. Den Nachmittag nutzen einige Teilnehmer zum Besuch der Berliner Innenstadt. Nach dem abendlichen Grillen machen wir mit der noch am Steg liegenden Ran eine beschauliche Nachtfahrt. Da kein Wind ist, müssen wir leider den Motor nehmen. Als Überraschungsgast besucht uns Iris Bindrich, die viele Jahre als Segellehrerin in dem Berliner Segelprojekt tätig war und auch danach als stille Reserve zur Verfügung stand. Iris wird im August nach Kuala Lumpur / Malaysia gehen und dort an einer Deutschen Schule unterrichten. Wir wünschen ihr viel Glück und hoffen, sie bald als Segellehrerin wieder bei uns zu haben.

Tag sieben, letzter Segeltag. Die Teilnehmer dürfen sich Schiff und Segelpartner aussuchen. Die anfängliche Flaute weicht einer stetigen Brise von 3 Bft. Traumhaftes Segelwetter zum Ende des Segelkurses. Die Boote werden dann am Nachmittag eingepackt und das Grundstück aufgeräumt. Das von den Zimmersprechern organisierte Abschlussspiel verlangt von den Teilnehmern gute Geschmacksnerven und von den Betreuern gute Geruchsnerven. Das Erschmecken und Erriechen von Lebensmitteln führt zu einem tollen kurzweiligen Spiel. Die lobenden Worte von der Abschlussrunde klingen den Betreuern noch lange in den Ohren.

Der Abschied am achten Tag fällt vielen schwer. Die eine oder andere Träne rollt an der Wange entlang. Die angereisten Teilnehmer sind wie schon seit vielen Jahren wohlbehütet von den beiden Betreuern Willi Repke und Robert Heuser heimgebracht worden. Auf ein Wiedersehen beim Sporttreffen Anfang 2009 freuen sich alle sehr.