Segelkurs 2006 in Berlin

Hitzerekorde in Berlin
(Segelkurs 2006 in Berlin vom 15.07.-23.07.2006)

von Jörg Bergmann

Der Segelkurs verspricht dieses Jahr eine heiße Sache zu werden. Aus dem gesamten Bundesgebiet sind wieder einmal 19 Seglerinnen und Segler zwischen 8 und 23 Jahren zusammengekommen. Die Gruppe nutzt das Know-how von 11 alten Hasen, um den 8 Neuen das Rüstzeug zum Steuern einer Yacht zu geben. Schon auf der Anreise haben sich neue Freundschaften gefunden und alte wurden aufgefrischt. Bester Laune und voller Tatendrank laufen die Teilnehmer am Samstagnachmittag im Bootshaus Tegel in Berlin ein. Nachdem die Zimmer verteilt, die Betten bezogen und die Zimmersprecher benannt sind, beginnt die Woche offiziell mit der Vorstellungsrunde am Abend.

Sonntagvormittag gibt es die obligatorische Einweisung. Für Anfänger und auch Könner werden die einzelnen Teile am Boot und das Setzen und Bergen der Segel an einem Schiff erklärt. Alle sind konzentriert bei der Sache und lernen schnell die ersten Handgriffe. Die anschließende Knotenkunde stellt dann doch einige auf die Geduldsprobe. Nach dem Mittagessen geht es zum ersten Mal aufs Wasser. Bei stechender Sonne und Nordost Stärke 2 gibt es keine Probleme mit der Segelei.

Der Montag beginnt so, wie der Sonntag aufhörte; sonnig heiß und windstill. Deshalb schlagen die Betreuer vor, das große Zweimastschiff eines befreundeten Vereines zu holen und in die Bucht hinaus zum Baden zu fahren. Alle sind begeistert. Der Kutter bringt noch die beiden gelben Badeinseln raus und nachdem der Anker hält und der Motor aus ist, heißt es hinein ins 25 º C kühle Wasser. Nach einem kleinem Imbiss und einer ausgedehnten Mittagspause kann am späten Nachmittag freiwillig gesegelt werden. Fast alle nutzen die Gelegenheit, obwohl der Wind keine rasante Fahrt verspricht. Bei maximal Windstärke 1 wird keine große Konzentration verlangt.

Die Tage gleichen sich wie ein Ei dem Anderen. Dienstag früh wieder sonnig und windstill. Da die Gruppe fast zur Hälfte aus Neuen besteht, fahren wir in die Berliner City. Am Spreebogen entlang geht es am Paul-Löbe-Haus, am Kindergarten der Abgeordnetenkinder und am Hauptbahnhof vorbei und hinüber zum Reichstag, Brandenburger Tor und Stelenfeld des Holocaust-Mahnmals. Hier können alle mal auf eigene Faust los. In den Potsdamer Platz Arkaden wird Groß und Klein mit etwas Geld ausgestattet und zum zeitlich begrenzten Freigang entlassen. Fazit des bisherigen Tages: In der City ist es noch wärmer! Abends stellt sich am Tegeler See noch etwas Wind ein, so dass kurzer Hand die Nachtfahrt mit dem Zweimastschoner „Ran“ organisiert wird. Bei leichten 1-2 Windstärken und sternenklarer Nacht segeln wir ab 22:00 Uhr für ein paar Stunden lautlos durch die Stille der Nacht.

Der Mittwoch beginnt eigentlich so wie alle anderen Tage. Nachdem wir vormittags bei schwachen Luftbewegungen über den See getrieben sind, organisieren die Zimmersprecher und der Betreuersprecher Willi ein Spiel ohne Grenzen auf dem Wasser. Unter wilden Anfeuerungsrufen kämpfen die Gruppen in und auf dem Wasser um die Wette. Drei Teilaufgaben sind zu bewältigen, bevor der Sieger feststeht.

Mit über 37 º C soll laut Wetterbericht der Donnerstag der heißeste Tag der Woche in Berlin werden. Wir fahren mit dem Zug schnell mal nach Wolfsburg ins Phaeno. Dort verbringen wir 6 Stunden in vollklimatisierten Räumen und beschäftigen uns mit allem was mit Technik zu tun hat. Alles ist zum Anfassen und Ausprobieren. Als wir das Haus verlassen, wird der Kreislauf auf eine harte Probe gestellt. Draußen, alles Teer und Beton, sind mindestens 35 º C. Noch Härter trifft es uns in der Bahn. Die Klimaanlage ist defekt und kein Fenster geht auf; hier geht es noch einmal so richtig heiß zur Sache. Selbst die Luft in Berlin erscheint uns beim Ausstieg kühler.

Wind, endlich Wind. Freitag früh weht es doch tatsächlich mit satten 3 Windstärken. Also nach dem Frühstück schnellstens in die Boote. Doch hoppla, einige sind Wind gar nicht mehr gewöhnt. Plötzlich kentern die Einmannjollen so zahlreich, dass die Betreuer alle Hände voll zu tun haben. Nach einer längeren Mittagspause wird am frühen Abend noch Segeln auf freiwilliger Basis angeboten. Lediglich 5 Segelbegeisterte finden sich, die in der wunderschönen Abendsonne quer über den ganzen Tegeler See segeln. Ein schöner Grillabend vollendet den einzigen Tag mit Wind.

Samstag haben wir maximal 2 Windstärken mit vielen windstillen Flächen. Nach dem Segeln werden mit vereinten Kräften die Segelboote eingepackt, noch einmal ausgiebig gebadet und die Vorbereitungen für das von den Teilnehmern organisierte Abschlussspiel getroffen. Zu fortgeschrittener Stunde findet sich die gesamte Gruppe zum Abschlussgespräch ein. Alle Betreuer sprechen der Gruppe ein großes Lob aus. Die Harmonie und Freude unter den Teilnehmern ist der Lohn für die Mühen der Segellehrer.

Das nächste Jahr steht ganz im Zeichen des 30-jährigen Jubiläums des Segelprojekts. Eine große Feier wird vorbereitet und erwartet den Segelkurs 2007.