Segelkurs 2005 in Berlin

Mittelmeerklima in Berlin
(Segelkurs 2005 in Berlin vom 22.06.-30.06.2005)

von Jörg Bergmann

Wieder einmal findet der jährliche Segelkurs des BFS beim Landesverband Berlin-Brandenburg auf dem Tegeler See im Norden Berlins statt. Schon Tradition hat die nachmittägliche Anreise aller großen und kleinen Segler. Bei der abendlichen Vorstellungsrunde am Anreisetag stellt sich heraus, dass sogar 5 blutige Anfänger dabei sind. Der Rest, 14 Schüler und 10 Betreuer, sind alte Hasen. Absolut traumhaft ist das Schüler-Betreuer-Verhältnis von 2:1. Hiervon träumt wohl so manche Schule. Am ersten Segeltag kann bei strahlendem Sonnenschein der Vormittag mit Segel setzen und bergen am Steg und dem ersten Wasserkontakt gefüllt werden. Die alten Hasen erklären den Neuen alle Handgriffe. Auf dem Wasser erleichtert sehr leichter Wind allen den Einstieg in die Segelwoche. Da das Wetter auch am späten Nachmittag noch hochsommerlich warm und der Wind völlig eingeschlafen ist, wird eine agile Einmannjolle, der Topper, in die Bucht geschleppt und alle Segler dürfen mit einer Rettungsweste bekleidet nacheinander das Kentern üben. Die Angst vor einer Kenterung mit dem Segelschiff dürfte danach bei allen verflogen sein. Am nächsten Tag gesellt sich zum Sonnenschein eine leichte Luftbewegung, die erst noch ein Wind werden möchte. Also Sonnencreme aufgetragen und ab in die Boote. Auch draußen auf dem See ist nicht mehr Wind. Trotzdem wird jedes Lüftchen zur Fortbewegung genutzt. Da nach dem Mittagessen der Wind ganz weg ist, wird der Nachmittag an Land verbracht. Samstag früh, aufstehen, frühstücken, Wetter gucken: Wind gleich Null, Sonne und Hitze. Alle sind einverstanden, den heutigen Tag zu einem Besuch des Technikmuseums zu nutzen. Die neuen Abteilungen Flug- und Schiffbau enthalten zwar viele Exponate, aber alles ist sehr dunkel und nüchtern aufbereitet. Also ab ins Spektrum. Hier kann jeder alles was mit Technik zu tun hat anfassen und selbst erleben. Dieser Teil des Technikmuseums gehört uns fast alleine. Lediglich ein oder zwei andere Familien sind noch im Haus. Nachdem alle das drehende Hexenhaus erlebt und einen kleinen Imbiss zu sich genommen haben, geht es wieder zurück zum Bootshaus. Auf dem Weg von der U-Bahn zum Bootshaus bläst uns zunächst ein starker Wind Staub und Sand ins Gesicht. Als der große Regen einsetzt, stellen wir uns zum Glück rechtzeitig unter einer Brücke unter. Endlich Wind! Der Sonntag begrüßt uns mit gutem Wind und strahlendem Sonnenschein bei angenehmen 25 Grad Lufttemperatur. Traumhaftes Segelwetter, was will man mehr. Na dann, alle Boote klar machen und aufs Wasser. Aber hoppla, was ist denn mit den Seglern los? Der Pausentag hat bei einigen doch so manche seglerischen Kenntnisse im Nirwana des Gedächtnisses verschwinden lassen. Also müssen die Segellehrer doch noch mal vieles wiederholen und in Erinnerung rufen. Da der Wind auch am Abend noch leicht weht, wird eine Nachfahrt mit dem 10 Meter Schoner „Ran“ organisiert. Gegen 1:30 Uhr legen wir wieder an, und von dem aufgehenden Mond bewacht verschwinden alle Segler schnell in ihre Kojen. Die ausgedehnte Nachtfahrt erlaubt es uns, heute etwas länger in den Betten zu bleiben. Die Betreuer verschieben das Frühstück doch tatsächlich von 8:30 Uhr auf 9:00 Uhr. Aber fast alle sind fit für die heutigen Segelabenteuer. In den letzten Tagen hat jedoch so manchem eine geheimnisvolle Mückenart gestochen. Die Mückengeplagten und die mit anderen Zipperleins Behafteten bilden heute ein Lazarettschiff. Die Sonne strahlt, der Wind ist leicht und die Temperaturen sind wieder ideal. Die Segelkenntnisse werden weiter vertieft. Auch dieses Jahr haben die Berliner Betreuer einen Wahnsinnsausflug vorbereitet. Punkt 10:00 Uhr stehen wir am Eingang zum Filmpark Babelsberg in Potsdam. Von Action in der Stunt-Show im Vulkan bis zur ruhigen Kahnfahrt nach Panama aus Janoschs „Tiger und Bär“ ist alles dabei. Wer dachte, dass wird hier ein gemütlicher Spaziergang, hat sich geirrt. Von Attraktion zu Attraktion hetzen wir. Alles war so gut durchorganisiert, dass wir über die Seiteneingänge eingelassen wurden und somit immer in der ersten Reihe saßen. Prima! Zum Schluss blieb dann doch noch genügend Zeit, sich individuell zu vergnügen. Völlig ausgepowert geht es abends zurück ins Bootshaus. Auf dem Heimweg in den Bussen schlafen doch wirklich einige ein! Mittwoch, letzter Segeltag. Alle sind heute so richtig wild, ihre Segelkünste zu zeigen. Die Betreuer haben es wieder einmal geschafft, dass auch alle Neulinge spätestens heute alleine ein Boot segeln können. Mit stolzgeschwellter Brust geht es am späten Mittag zurück in den Heimathafen. Boote einpacken klappt super. Vor dem Abendessen wird Groß und Klein zur Schnitzeljagd durch den Wald gebeten. Mehrere Stationen mit Aufgaben zum Thema Segeln sind zu durchlaufen. Neben Knotenkunde und Kursbestimmung ist aber auch Naturkenntnis und waches Auge gefordert. Am Ende haben alle den Parcours erfolgreich gemeistert. Gewinner sind alle. Der letzte Tag wird in großer Runde mit ausführlichem Feedback für Betreuer und Teilnehmer beendet. Jeder trägt zur Erinnerung an eine schöne Woche das BFS-T-Shirt nach Hause. Donnerstag früh ist schon alles so toll aufgeräumt, dass die Auswärtigen vor 10:00 Uhr verabschiedet werden. Für die Berliner bleibt auch nur noch wenig zu tun. Diese Woche hat uns besonders mit gutem Wetter, tollen Teilnehmern und super Betreuern gezeigt, wie wichtig es ist, dass Segelprojekt aufrecht zu erhalten. Wir alle hoffen, 2006 den nächsten Segelkurs in Berlin anbieten zu können.