Segelkurs 2004 in Berlin

Blinde Date mit dem Wind
(Segelwoche 2004 in Berlin vom 25.06.-03.07.2004)

Der Termin der diesjährigen Segelwoche in Berlin vom 25. Juni bis 3. Juli 2004 war wettertechnisch alles andere als glücklich gewählt. An die 19 Teilnehmer, von denen die meisten bereits bei der Segelwoche 2003 dabei waren, wurden in diesem Jahr hohe Anforderungen gestellt, nicht nur an die Segelfähigkeiten, sondern auch an die Wetterfestigkeit. Erstmals seit vielen Jahren war die Woche geprägt durch viel (manchmal zu viel) Wind – in der Regel mindestens Windstärke vier, meistens fünf und zum Teil sogar noch mehr – und immer wieder Regenschauer mit unangenehmen Böen. Die Temperaturen waren trotz zwischenzeitlichen Sonnenscheins alles andere als hochsommerlich. 24 Grad waren da schon viel an nassen und windigen Tagen in Berlin. Erstmals mussten auch die Segel fast aller Boote verkleinert – oder in der Fachsprache der Segler „gerefft“ – werden, damit die Boote vom Wind nicht einfach auf das Wasser gedrückt werden. Klar, dass gerade bei den neuen Teilnehmern der Gruppe am Anfang Skepsis und Unbehagen vorherrschten und so richtige Segelbegeisterung nicht aufkommen ließen, merkte man doch schon nach wenigen Metern auf dem Wasser, dass bei viel Wind alles sehr schnell gehen muss: Wenden, Schoten anziehen und lösen, Umsetzen, Ausreiten, Gewichtsverlagerung und immer wieder Abstand von den anderen, ebenso schnellen Booten halten. Aber alle Teilnehmer entwickelten für sich den Ehrgeiz, die Naturgewalten und die Boote zu beherrschen, steckten auch Kenterungen, die bei diesem Wetter nicht zu vermeiden sind, sportlich weg und fanden schließlich richtig Spaß an der naturbedingt sportlichen Seite dieses Sports. Wie oft waren die Segelwochen nicht schon von zum Teil mehrere Tage dauernden Flauten und der verzweifelten Suche nach dem einzigen Windfleck auf dem See geprägt! Das diesjährige Wetter aber hat dafür zu eindrucksvollen Bildern in dem während der diesjährigen Segelwoche gedrehten Film „Blind Date mit dem Wind“ geführt, der am 11. Dezember 2004 im Bootshaus uraufgeführt wurde. In dem etwa dreißig Minuten langen Film wird die Arbeit des Segelprojektes vorgestellt. Stephan Daniel (25) nahm den Auftrag dazu erst wenige Tage vor der Segelwoche an und begleitete diese von der ersten bis zur letzten Minute. Segeln war bis jetzt für ihn ein unbekannter Sport und mit Sehbehinderten hatte er auch noch nie gearbeitet, wohl aber mit jungen Menschen mit körperlicher und geistiger Behinderung. Stephan Daniel war sofort von dem Projekt und der Gruppe begeistert, wagte sich schnell mit seiner Kamera auch auf die Segelboote und hat aus mehr als 15 Stunden Filmmaterial einen sehr attraktiven Werbefilm für die Teilnahme am Segelprojekt geschaffen. Der Film. in dem auch die Teilnehmer selbst ihre Eindrücke und Erlebnisse in Interviews schildern, soll in Schulen, Beratungsstellen und auf Messen, Kongressen und anderen Informationsveranstaltungen gezeigt werden. Er kann aber auch von interessierten Einzelpersonen vom BFS Berlin-Brandenburg gegen eine Schutzgebühr von 3,00 Euro bezogen werden. Die finanziellen Mittel für die Produktion des von Daniel Stephan mit erkennbarer Begeisterung gedrehten Films spendeten die Angehörigen und Freunde des in der Nacht zum 29. Februar 2004 völlig unerwartet verstorbene dreizehnjährigen Jan Pettenpohl aus Dorsten, dessen großer Wunsch, an der diesjährigen Segelwoche teilzunehmen, nicht mehr in Erfüllung ging (siehe Bericht VISUS 4/2004 Seite 18/19). Es war der Wunsch der Eltern, dem Segelprojekt die anlässlich der Beisetzung ihres Sohnes gesammelten Spenden zukommen zu lassen. Mit dem damit geschaffenen Film werden künftig hoffentlich viele Kinder und Jugendliche zur Teilnahme am Segelprojekt und der Segelwoche motiviert. Der BFS Bundesverband und der Landesverband Berlin-Brandenburg danken allen Spendern. Einer der diesjährigen Tagesausflüge führte die Gruppe in die nur wenige hundert Meter vom Bootshaus entfernte Feuerwache Tegel, in der sich auch ein Feuerwehrmuseum befindet. Durch viele Originalexponate aus mehr als 100 Jahren Berliner Feuerwehr fühlte sich die Gruppe in vergangene Zeiten zurückversetzt. Die Gegenwart wurde jedoch allen schnell wieder bewusst, als es zu der speziell für die Gruppe angebotenen Führung durch die Feuerwache ging. Dabei wurde nicht nur der Eingang eines Alarms demonstriert, sondern alle Fahrzeuge und technischen Geräte gezeigt und zum Teil vorgeführt und das Anlegen der Schutzkleidung demonstriert. Höhepunkt des Besuchs war jedoch der Einsatz des Drehleiterfahrzeugs auf dem Hof der Feuerwache. Alle Teilnehmer, aber auch die Betreuer, konnten im Korb der Drehleiter über dreißig Meter in die Luft fahren. Auch wenn einigen dabei wegen des nicht unerheblichen Schwankens etwas mulmig wurde, war es für alle ein unvergessliches Erlebnis. Die Segelwoche ging wie immer viel zu schnell zu Ende und nicht nur die Teilnehmer, sondern auch die Betreuer freuen sich auf die nächste im Sommer 2005. Der Film „Blind Date mit dem Wind“ kann auf DVD oder Video gegen eine Schutzgebühr von 3,00 Euro bezogen werden beim: Bund zur Förderung Sehbehinderter Landesverband Berlin-Brandenburg e.V. Gawanstrasse 41, 13465 Berlin Tel.: 030 / 40 63 63 59 Fax 030 / 40 63 67 26 E-Mail: bfsev@aol.com