Segelkurs 2003 in Berlin

Segeln Sehbehinderte sicher?
Sicher segeln Sehbehinderte.
Sehbehinderte segeln sicher!
(Segelkurs des BFS-Berlin vom 04.07.-12.07.2003)

„Schwäne können ganz schön gemein sein und zubeißen, besonders wenn sie Junge haben.“ Ungeachtet dieser mahnenden Worte des erfahrenen Schwanenforschers Benjamin betreibt Diana ihre eigenen Studien mit den stolzen Tieren. Immer wieder kommt die Schwanenmutter mit ihren drei Kindern an unseren Bootssteg und Diana kommt tatsächlich unbeschadet davon, obwohl ihre Finger und Arme oft genug in Reichweite des großen Wasservogels sind. Das sind die beschaulichen Stunden am Steg, die es auch gibt, beim Segelkurs des BFS e.V. am Tegeler See im Berliner Norden. Mit einer ganz neuen, wesentlich verjüngten Gruppe aus 10 Mädchen und 9 Jungen, gestaltete das sechsköpfige BetreuerInnenteam wieder eine rundum gelungene Ferienwoche. Für die Berliner und Brandenburger war es ja tatsächlich die erste Woche der Sommerferien. Die Teilnehmenden aus Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen hatten vom 4. bis 12. Juli noch gar keine Ferien aber glücklicherweise von ihren Schulen frei bekommen. Das ist den Schulleitern sicher nicht schwer gefallen, denn der pädagogische Wert dieser, nun schon im achten Jahr aus Mitteln des Bundesjugendplans geförderten, Maßnahme ist unbestritten und gilt als Richtung weisend in der Arbeit mit sehbehinderten bzw. blinden Kindern und Jugendlichen. Und dies gilt sicher nicht nur für die wassersportlichen Aspekte der Veranstaltung.

Das rustikale Schülerbootshaus des Bezirks Berlin Mitte, Stützpunkt des seit 26 Jahren erfolgreichen Segelprojektes des BFS Landesverbandes Berlin-Brandenburg e.V., hallte tagsüber, manchmal aber auch Nachts, wider vom geschäftigen Treiben der Gruppe.

Nach gründlicher Einweisung in Sicherheitsregeln, Technik der Boote und die Segeltheorie wurde dann praktisch an jedem Tag gesegelt was Wind und Zeug hergaben. Das Wetter spielte einigermaßen mit, bewölkter Himmel, manchmal ein Regenschauer, aber (fast) immer Wind mit Stärke 2 bis 4, schufen gute Bedingungen für das Lernen.

Kentern gehört beim Jollen- und Toppersegeln einfach dazu, ist ganz normal und so wurde auch dieser Teil des Segelns nicht ausgelassen. Die spektakulärste Kenterung gelang einem Segelpaar mit einer Flying Bee. Vorschoter Oliver und Andrea an der Pinne brachten ihre Flying Bee sogar zum Durchkentern. Schlauerweise hielt sich Oliver nur kurzzeitig in der Luftblase unter dem Boot auf, bevor er sich freischwamm und zusammen mit Andrea ins Motorboot geborgen wurde.

Der Stadtbummel mit Ausflug zum Brandenburger Tor, da wurde gerade eine Filmszene gedreht, führte die Gruppe auch in die Reichstagskuppel. Von da aus ging es zum Potsdamer Platz. Und auf wen stießen wir im halb abgesperrten Sony-Center? Natürlich wieder auf diese lästigen Promis, die einem in Berlin ja überall über den Weg laufen.

„Was macht die Maus am Donnerstag…?“

Wer die „Sendung mit der Maus“ kennt und liebt, wird uns besonders beneiden. Denn am Donnerstag haben wir die MTU Maintenance, ein Unternehmen der DaimlerChrysler Gruppe in Ludwigsfelde besucht und uns dabei angeschaut und erklären lassen, wie das so mit den Flugzeugtriebwerken und Gasturbinen geht.

Der Betriebsratsvorsitzende, Herr Winkelmann, hatte uns eingeladen und ein tolles Besichtigungsprogramm vorbereitet. Wir konnten uns die Reparatur und Montage anschauen und wurden auch in den eindrucksvollen Teststand geführt. Hier absolvieren alle Triebwerke vor Wiederauslieferung einen Testlauf von 46 Stunden.

Die Berufsausbildung bei der MTU wurde uns vorgestellt und für unser leibliches Wohl in der Kantine, mit einem schmackhaften Broiler und Bratkartoffeln, gesorgt. Reich beschenkt mit Schlüsselanhängern und MTU-Baseballkappen, die sich übrigens ausgezeichnet zum Segeln eignen, traten wir am Nachmittag mit unseren zwei Schulbussen die Heimfahrt an.

Sicherheit, so haben wir gelernt, ist oberstes Gebot bei Flugzeugtriebwerken, - genau wie beim Segeln stellt Jennifer zufrieden fest.

Tach, ich heiß Johannes…

War da noch was? Aber ja doch! Man könnte noch viel erzählen: Nachtsegeln mit der „Rann“, Bowlen und Billardspielen in den Borsighallen und dann die Badeeinlagen mit den beiden neuen, quittengelben Badeinseln. Das Ver- und Entknüpfungsspiel mit den Übungstauen und Willi Repkes unvergessliche Bewegungsanimation „Tach, ich heiß` Johannes…“

Die Teilnehmenden werden sich viel zu erzählen haben beim winterlichen Sporttreffen im Februar 2004.

Das Abschlussgespräch am Freitag brachte viel Lob und auch die immer wiederkehrende Kritik am Projekt-Paparazzi, der mit seinen Fotoapparaten gnadenlos den Ablauf der Woche dokumentierte. Wer alle Fotos sehen will, bekommt gegen eine Kostenbeteiligung von 6,- € eine CD-ROM zugeschickt. Sarah, eine Segelkurs-Teilnehmerin aus dem vorigen Jahrhundert hat sie zusammengestellt. Bestellungen bitte an rob.heuser@t-online.de .

Ein großes DANKE! geht an alle, die diese schöne Woche möglich gemacht haben. Das fängt bei dem mit Fördermitteln beteiligten Bundesministerium für Jugend und Gesundheit an und geht über die MTU Maintenance bis hin zu den HelferInnen an Schreibtischen, in Bussen, Motor- und Segelbooten. Und nicht zuletzt soll den Schülern und Schülerinnen gedankt werden, sie waren eine großartige Gruppe.

Wie aus Berlin berichtet wird, kommt der Schwan jeden Tag an den Steg, nachschauen ob die Gruppe wieder da ist. - Er wird wohl bis zum nächsten Sommer warten müssen.