Segelkurs 2002 in Berlin

vom 5. bis 13. Juli 2002 in Berlin
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Als die neun Nichtberliner Teilnehmer und die beiden Nichtberliner Betreuer Willi Repke und Robert Heuser am Freitag, den 5. Juli 2002 gegen 18.00 Uhr im Bootshaus eintrafen, blieb nicht viel Zeit für eine lange Begrüßung, denn in etwa 18 Stunden sollte das große Jubiläumsfest anlässlich des 25-jährigen Bestehens des Segelprojektes des LV Berlin beginnen. Zwar hatten die zehn Berliner und Brandenburger Teilnehmer der diesjährigen Segelfreizeit und die fünf Berliner Betreuer bereits seit 10.00 Uhr kräftig geschuftet, jedoch blieb noch eine Menge zu tun, bis die ersten Besucher erwartet wurden. Und auch während des Festes waren Teilnehmer und Betreuer ständig im Einsatz, so dass allen erst am Samstagabend, nachdem auch die letzten Besucher das Grundstück verlassen hatten, trotz der Erschöpfung bewusst wurde, dass ja auch die Segelfreizeit begonnen hat.

Nachdem man am Sonntagvormittag unter Aufbieten der letzten Kräfte die Abbau- und Aufräumarbeiten beendet hatte, belohnte uns Petrus bis Dienstagabend mit optimalen Segelwetter, Sonne und Windstärke 3-5.

Am Mittwoch, den 10. Juli 2002, kam es dann zu einem völlig ungeplanten „Höhepunkt“ der diesjährigen Segelfreizeit. Den gesamten Tag lang wehte bei 33 Grand im Schatten kein Windhauch über den Tegeler See.

Die Gruppe tobte sich wie immer an solchen Tagen beim Baden mit der neuen, die gesamte Gruppe tragenden, aufblasbaren Badeninsel aus. Für den Abend sagte der Wetterbericht Gewitter voraus, auf das viele in der Hoffnung auf Abkühlung warteten. Was an jenem Tag gegen 20.00 Uhr jedoch über die Stadt fegte, kann man nur als „Jahrhundertorkan“ bezeichnen. Der beim Baden zugezogenen leichten Knieverletzung eines unserer Teilnehmer ist der Umstand zu verdanken, dass ich nicht mit der übrigen Gruppe in das Kino mitgegangen bin, sondern zur „Krankenbetreuung“ auf dem Grundstück blieb. Was sich dort in jenen fünf Minuten abspielte, als der Wind von einer Sekunde zur anderen einsetzte und mit etwa 150 km/h aus Sudwest über den See fegte, habe ich in 20 Jahren BFS-Segeln noch nicht erlebt. Das Gischt flog bis etwa einen Meter über der Wasseroberfläche, die Masten der aufgrund der hohen Wellen stark schaukelnden Boote der Nachbarvereine schlagen gegeneinander. Der Tegeler See kochte, überall an Land krachte es und ganze Bäume wurde einfach entwurzelt und fielen um. Unsere Topper-Segeljollen rasten wie von Geisterhand gesteuert mit ihren Wagen über das Grundstück. Die Gruppe, die ich zu dieser Zeit im Kino sicher wusste, ging etwa 20 Minuten vor diesem Naturereignis den Weg am Ufer des Tegeler Sees entlang, der innerhalb dieser wenigen Minuten unpassierbar wurde. In diesen mir endlos erscheinenden 5 Minuten hatte ich nur zwei Sorgen: Hoffentlich kommt der Fußkranke nicht nach unten auf das Grundstück, aber der schlief angesichts des chronischen Schlafdefizits während der Segelfreizeiten tief und fest in seinem Bett. Die zweite Sorge war, hält die 18 Meter lange Schwimmsteganlage, an der zu dieser Zeit fünf unserer Boote festgemacht waren, diesem ernormen Windruck stand? Wenn nicht treibt sie mit den Booten und ihrem Gewicht von etwa 6 Tonnen in die Liegeplätze unserer drei großen Boote und wird alles zerdrücken. Aber die Bolzenaufhängung hielt. Lediglich eine unser am Schwimmsteg festgemachten Flying Bee-Jollen riss sich los und flog regelrecht in Richtung der linksseitigen Steganlage. Mir gelang es, das Boot einzufangen und so zu sichern, dass es mit Hilfe der Stegnachbarn nach etwa 20 Minuten lediglich mit paar Kratzern im Rumpf geborgen werden konnte. Nach der Rückkehr der Gruppe, die im Kino lediglich ein Scheppern des Daches vernahm, waren alle angesichts des Bildes der vielen entwurzelten Bäume um das Bootshausgelände herum und der beiden durch herabstürzende beindicke Äste abgeknickten Ruderboote sehr betroffen aber auch erleichtert, dass Mensch und Material nicht zu schaden gekommen sind. Nicht auszudenken, was hätte passieren können, wenn die Gruppe gerade zur Zeit der besagten 5 Minuten den ungeschützten Uferweg entlang gegangen wäre oder die Verankerung der Schwimmsteganlage herausgerissen worden wäre. Dieser Erleichterung über das eigene Glück wich jedoch schnell der Bestürzung über die Meldungen im Radio über die beiden Jugendlichen die – ebenfalls in einer Ferienfreizeit – bei dem Unwetter in ihrem Zelt von Bäumen erschlagen worden sind. Die Gruppe saß fast vollständig in stummer Betroffenheit vor dem Radio im Aufenthaltraum und keiner konnte und wollte einfach schlafen gehen. Noch nie während des 25-jährigen Segelprojektes ist man so dich mit den Gewalten der Natur in Berührung geraten, auch wenn die Gruppe sie selbst nicht erlebt hat.

Für den nächsten Tag stand dann als Tagesausflug der Besuch bei der Firma Cargo-Lifter etwa 50 km südöstlich von Berlin auf dem Programm. In einem engagierten und begeisternden Vortrag eines Mitarbeiters erfuhr die Gruppe von der so einfach und plausibel klingenden Idee eines neuen Luftfahrzeuges, dem Luftschiff Cargo-Lifter, zum Transport von Schwerlasten und den vor allem finanziellen Schwierigkeiten bis hin zum drohenden Konkurs bei ihrer Realisierung. Auch hier hinterließ der Orkan vom Vortag seine Spuren; der Flug mit dem Demonstrationsballon musste ausfallen. Von ihm war nur noch die zerrissene Hülle übrig. Umso beindruckender war der Besuch in der zur Produktion der Luftschiffe bereits fertiggestellten größten freitragenden Halle der Welt mit mehr als 340 m Länge. Eine Nachtfahrt unter Motor beendete diesen Tag.

Am Freitag herrschte wieder einmal völlige Flaute, so dass die Woche mit ausgiebigem Baden und dem am letzten Tag der Segelfreizeit üblichen Reinigen der Boote zu Ende ging.